Ausbildung für Pflegeberufe muss kostenfrei werden

TOP 35, Pflegeausbildung zukunftssicher machen (Drucksache 18/183)

Der vorliegende Antrag der regierungstragenden Fraktionen ist der Anfang für die Weiterentwicklung der Pflege in Schleswig-Holstein, Also genau das, was die Vorgängerregierung in knapp drei Jahren versäumt hat. Und er ist hoffentlich für viele junge Menschen ein Einstieg in den Pflegeberuf.

Die Vorraussetzungen müssten mittlerweile jedem, auch nicht Sozialpolitikern, klar sein: Immer mehr Menschen werden immer älter, worüber wir uns freuen, und die Chance, pflegebedürftig zu werden, steigt natürlich mit zunehmendem Alter. Aber wir haben immer weniger junge Menschen, und von denen wollen immer weniger in die Pflegeberufe. Und warum? Hohe Ausbildungskosten, weil es zu wenige landesgeförderte Plätze gibt, schwierige Arbeitsbedingungen, immenser Zeitdruck, geringe Aufstiegschancen machen die Ausbildung wenig attraktiv.

Die logische Konsequenz ist daher für uns: Wir müssen die Ausbildung für alle Pflegeberufe kostenfrei gestalten. Eine Möglichkeit dafür ist die Umlagefinanzierung. Sie funktioniert im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege hervorragend. Und da selbst die Einrichtungen dieses schon fordern, ist wohl deutlich, wie hoch der Druck mittlerweile ist. Bis diese Möglichkeit geprüft ist, brauchen wir mehr landesgeförderte Ausbildungsplätze. Der Schritt 2 x 200 zusätzliche Plätze zu fördern, ist zwar haushaltstechnisch mutig, aber eben eine notwendige und richtige Entscheidung, um jetzt noch auf die gesellschaftlichen Herausforderungen zu reagieren.

Ich freue mich sehr, dass Sozialministerin Kristin Alheit das Thema Pflege mit viel Tatkraft angeht. Nur zur Erinnerung: CDU/FDP haben es im letzten Doppelhaushalt gerade mal geschafft, 20 zusätzliche Plätze einzurichten. In ihrem Änderungsantrag fordert die CDU quasi das, was wir sowieso schon geplant haben. Aber es ist gut zu wissen, dass Sie, nachdem Sie alle unsere Pflegeanträge in den letzten Jahren immer abgelehnt haben, jedenfalls jetzt an unserer Seite sind.

Auch beim Thema Pflegekammer kann ich mich an eine vehemente ablehnende Haltung ihrerseits erinnern, die sich kurz vor der Landtagswahl auf einmal ein ganz klein wenig populistisch geändert hat. Aber es ist wirklich gut, wenn wir das jetzt alles gemeinsam hinkriegen. Das wird der gesellschaftlichen Großbaustelle Pflege auch gerecht.

Für uns bedeutet eine kostenlose Ausbildung auch gleichzeitig eine kostenlose Umschulung zur Pflegefachkraft. Das ist bis heute nicht gewährleistet. Es ist schon bemerkenswert, dass die Bundesregierung immer noch nicht den Bundesratsbeschluss zur Übernahme des 3. Ausbildungsjahres für UmschülerInnen umgesetzt hat. Wir benötigen dringend mehr Pflegekräfte. Da ist es doch absurd, Interessenten für den Pflegberuf zusätzliche Hürden aufzubürden. Mittlerweile soll es neue Lösungen von der Bundesregierung geben, die jedoch wieder nur befristet sind.

Und: Eine Zusammenlegung der beiden Ausbildungen Altenpflege und Gesundheits- und Krankenpflege ist in vielerlei Hinsicht gut und zukunftsweisend. Multiple Krankheitsbilder nehmen mit steigendem Alter zu. Entsprechend steigt der Anspruch an die Pflegekräfte, Akutversorgung zu leisten, gleichzeitig aber auch der besonderen Bedarfe von dementen Patienten gerecht zu werden. Umgekehrt müssen in den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen immer häufiger Patienten nach einer sogenannten blutigen Entlassung versorgt werden, weil die Verweildauer in Krankenhäusern immer kürzer wird. Auch das bedarf einer gewissen Qualifikation.

Deshalb ist angesichts der wachsenden unterschiedlichen Bedarfe sowohl in der Akutversorgung als auch im stationären sowie im häuslichen Bereich eine gemeinsame Ausbildung von Alten- und Krankenpflege nur sinnvoll. Es macht sie auch interessanter, weil die Auszubildenden anschließend bessere Wahlmöglichkeiten haben.

Zudem müssen wir sämtliche Fort- und Weiterbildungen von der Helfer/innenausbildung bis hin zum eigenständigen Pflegestudium durchlässig organisieren, so dass es spannend und auch attraktiv wird und bleibt, sich in den verschiedenen Themenbereichen fort- und weiterzubilden. Dann brauchen wir auch keine kurzfristigen Imagekampagnen mehr.

Und selbstverständlich zählt bei all diesen Vorhaben genauso wie in der Ausbildung, aber auch in Sachen Sprache auch weiterhin Qualität vor Quantität. Es ist sinnvoll, ein Projekt zurzeit gut durchdacht, gründlich und in Absprache mit den Betroffenen auf den Weg zu bringen. Ich freue mich über diesen Arbeitsstil der Ministerin. Das wird der Sache und den Ansprüchen der Pflege auch mehr gerecht, als jetzt alles das mit Brachialgewalt zu ändern, was CDU/FDP in den letzten Jahren nicht für nötig erachtet haben.

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