Dokumentationsinhalte neu justieren und Zeit für Pflege gewinnen

TOP 52: Mehr Zeit für Pflege (Drucksache 18/1213)

Herzlichen Dank an Ministerin Alheit und an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diesen Bericht. – Wenn ich mit Pflegefachkräften über deren Arbeitssituation rede, dann kommt man an dem Thema Dokumentation nicht vorbei. Deshalb ist es wichtig, einen aktuellen Sachstand über die Aktivitäten vorliegen zu haben.

Dokumentation ist ein absolutes Muss. Es ist ein Instrument zur Kommunikation und patientenorientierten Qualitätssicherung zwischen Pflegepersonal untereinander, Ärzten und anderen Therapeuten. Dokumentation schafft Transparenz im Umgang mit Patienten und Angehörigen. Dokumentation bedient aber häufig auch externe Ansprüche, z.B. vom medizinischen Dienst der Krankenkassen und der Heimaufsicht. Die Frage bleibt also: Was von alledem ist das wichtigste?

Kommt die umfangreiche Dokumentation wirklich dem Patientenwohl zugute, wird dadurch die Erlebnisqualität des Patienten gesteigert? Das fachlich orientierte Verantwortungsgefühl der Pflegekräfte befriedigt? Oder dient sie etwa doch zum großen Teil dazu, wirtschaftliche Prozesse der Einrichtungen zu bedienen? Nachweislich ist die Belegung in Heimen mit guten Noten der Pflegetransparenzvereinbarung höher. Eine gute Note allerdings hat auch nachweislich oft nichts mit der Erlebnisqualität der Patienten zu tun.

Wir haben diese Aspekte ja schon in der Plenardebatte im März diskutiert, als wir den Berichtsantrag gestellt haben, ich will das jetzt nicht alles wiederholen. Aber natürlich ist die Antwort darauf eine Frage der Sichtweise. Und Prof. Dr. Weiß als Experte für Pflege- und Berufsrecht formuliert es so: „Eine Dokumentation muss so aufgebaut sein, dass nicht jeder, sondern Pflegekräfte und Ärzte sich schnell einen umfassenden Überblick verschaffen können.“ Genau – treffender kann man es nicht formulieren. Alles andere muss zweitrangig sein. Pflegekräfte und Ärzte bringen die nötige Professionalität mit, um Situationen und Zusammenhänge einschätzen zu können.

In einer Zeit, in der wir händeringend versuchen, Pflegekräfte in ihrem Beruf zu halten und neue hinzuzugewinnen, in der wir den Beruf anpreisen und ausländische Kräfte ins Land holen, kommen wir auf die einfachste Lösung nicht: Weniger Zeit für Dokumentation – mehr Zeit für Pflege!

Die wichtigsten Zahlen des uns vorliegenden Berichts stehen auf Seite 6, letzter Absatz: Für die Pflegedokumentation werden jährlich 2,7 Milliarden € ausgegeben. 2,7 Milliarden, das sind 1.000€ je Leistungsempfänger der Pflegeversicherungen pro Jahr. Für Schleswig Holstein runtergerechnet sind es ca.80 Mio.

Frei nach dem angesagten Motto des MDK: Was nicht dokumentiert ist, ist nicht gemacht! Und die Zeit? 9 Minuten am Tag pro Pflegebedürftigem hören sich erst einmal nicht so schlimm an. Doch berechnen Sie es auf Grundlage einer Normalstation mit 40 Patienten, dann bedeutet es 6 Stunden Arbeitszeit am Tag. Also fast eine volle Schicht einer Pflegekraft. Pro Pflegebedürftigem sind es sogar rund 7 Arbeitstage im Jahr – nur für die Dokumentation. Und wenn man bedenkt, wie knapp die Stationen sowieso schon besetzt sind, dann bedarf es nicht viel Phantasie, herauszufinden, warum die Kolleginnen und Kollegen dauerhaft frustriert sind.

Deshalb begrüße ich die Aktivitäten der Landesregierung sehr, hier auch in enger Zusammenarbeit mit der Bundesebene korrigierend einzugreifen. Denn unser Ziel muss es sein, dass Pflegepersonal sich wieder um die Kernaufgabe Pflege kümmern kann. Es bleibt so schlicht mehr Zeit für die persönliche Wertschätzung und die Belange der Pflegebedürftigen. Eben mehr Zeit für Pflege.

Wenn man über Pflegedokumentation redet, sollten die ausführenden Fachkräfte selbstverständlich mit an den Tisch. Bei der Formulierung der Dokumentationsinhalte wird der neu einzurichtenden Pflegekammer eine besondere Rolle zuteil. Ich freue mich sehr darüber, dass wir jetzt nach der Befragung der Pflegekräfte die Pflegekammer auf den Weg bringen können. Es ist in einem demokratischen Land schon erstaunlich, dass man aus bestimmten Reihen versucht, das Ergebnis zu kritisieren. Nur 24 % der Befragten haben sich gegen die Pflegekammer ausgesprochen, 51 % dafür, das ist eine Mehrheit, das muss man nicht kleinreden! Erst recht nicht aus den Reihen, in denen man sich schon über 5 % freut.

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