Ein wichtiger Baustein, die Pflegeberufe zukunftsfähig zu machen

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 26, Für eine integrative Pflegeausbildung (Drs. 18/4216)

Immer mehr Menschen werden immer älter. Das ist gut so. Diese errungene Entwicklung stellt uns aber auch vor multiple Herausforderungen: Immer mehr hochbetagte Menschen mit multimorbiden Erkrankungen und zunehmenden Alterserkrankungen, wie Demenz, werden in Krankenhäusern versorgt. Dazu bedarf es neben der Gesundheits- und Krankenpflege auch der sozialpflegerischen Kompetenz der Altenpflege.

Gleichzeitig wird im stationären und ambulanten Bereich immer mehr medizinisch-pflegerische Versorgung durch frühe Entlassungen und vermehrte chronische Erkrankungen notwendig. Dazu bedarf es der medizinischen Kompetenz der Krankenpflege. Die pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse nehmen breiteren Raum ein, die eigenständige Professionalisierung der Pflege ist auf dem Vormarsch.

Die Versorgung älterer und kranker Menschen muss auf Augenhöhe mit anderen Heilberufen erfolgen, damit wir der demographischen Entwicklung und den verschiedenen Ansprüchen von Lebensräumen in Stadt und Land, ambulanter oder stationärer Betreuung gerecht werden. Dafür benötigen wir ein durchlässiges System, eine die verschiedenen Sektoren verbindende Funktion, eine stärkere Professionalisierung und mehr Eigenverantwortung der Pflegeberufe.

Deshalb ist die generalistische Ausbildung die richtige Antwort auf die sich verändernden Anforderungen an Pflege. Sie qualifiziert für alle Bereiche der Pflege auf gleichem Niveau, schafft dadurch mehr Flexibilität für die Pflegefachpersonen im Berufsleben und macht die Pflege zukunftssicher. Außerdem ist die generalistische Ausbildung endlich international anschlussfähig: Sie führt nämlich automatisch zur Anerkennung des Berufsabschlusses in Europa gemäß der Anforderungen der EU-Richtlinie 2013/55/EU, die die Anerkennung der verschiedenen Berufsabschlüsse regelt.

Für die Altenpflege war die Berufsanerkennung im europäischen Ausland bislang schwierig, denn die Aufteilung in drei grundständig ausgebildete Pflegeberufe der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es in der Form in anderen Ländern nicht. Das am häufigsten vertretene Ausbildungsmodell in den anderen Ländern ist eine grundständige Hochschulausbildung, meist 3 ½ oder 4 Jahre mit anschließender Spezialisierung oder Weiterbildung für die verschiedenen Fachbereiche.

Auf diesen Weg macht sich das Pflegeberufegesetz jetzt auch, indem es zusätzlich zur dualen generalistischen Ausbildung eine entsprechende Hochschulausbildung anbietet. Schon heute ist es so, dass Pflegekräfte sich in verschiedenen Bereichen zusätzlich durch Weiter – und Fortbildungen qualifizieren, z.B. in den Fachbereichen Intensiv, Anästhesie, Gerontopsychiatrie, Palliativ care. Also alles nichts Neues.

Der FDP Antrag verfolgt einen ausschließlich quantitativen Ansatz: möglichst viele möglichst schnell durch die Ausbildung zu bringen. Qualität und Qualifikation – egal. Europäische Anerkennungen – egal. Nachfolgende Arbeitsmöglichkeiten – egal. Das ist nicht unser Bild von Pflege. Wir wollen die Pflegeberufe so attraktiv wie möglich gestalten, eine Durchlässigkeit organisieren, Tätigkeitsfelder und berufliche Möglichkeiten erweitern und Kompetenzen ausbauen.

Neben den anderen Rahmenbedingungen, von denen wirklich viele zu korrigieren sind, ist das neue Pflegeberufegesetz, das auch seit Jahren von den Berufsverbänden gefordert wird, ein wichtiger Baustein, die Pflegeberufe zukunftsfähig zu machen. So können wir eine qualitativ und quantitativ professionelle pflegerische Versorgung der Menschen sicherstellen.

An einigen Modellschulen wurden die Ausbildungszweige bereits in den letzten Jahren gemeinsam unterrichtet, bis zu 90 % der Curricula sind zum Teil identisch. Gut wäre es, wenn wir ein einheitliches Curriculum für das Land entwickeln könnten. Bei der Finanzierung müssen wir uns, muss die Gesellschaft sich die Frage stellen, was uns gute Pflege wirklich wert ist.

Wichtig ist, dass die Ausbildung für alle kostenfrei ist. Damit sind wir ja in Schleswig-Holstein auch wieder einen Schritt voraus: Bei uns muss niemand mehr die Altenpflegeausbildung bezahlen.

Ob die geplante Berufsbezeichnung „Pflegefachmann und Pflegefachfrau“ allerdings zur Attraktivitätssteigerung beiträgt, wage ich mal zu bezweifeln. Vielleicht sollte man die Dienste einer modernen Marketingagentur in Anspruch nehmen.

Keine Kommentare vorhanden

Machen Sie bei der Konversation mit.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.