Sprachenvielfalt fördert Toleranz und Weltoffenheit

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 58, Bericht zur Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein (Drs. 18/4067)

Es gibt ca. 6.500 Sprachen auf der Welt, noch! Laut Linguisten stirbt alle 2 Wochen eine Sprache aus. Mit der Sprache geht viel Wissen um Kultur, Identität, Tradition, aber auch über die Natur und Umwelt der jeweiligen Sprachgruppe verloren und das ist nachteilig für das jeweilige Land, eigentlich für die ganze Welt. Denn Sprachenvielfalt in einem Land trägt zum kulturellen Reichtum bei, sie fördert die Toleranz, das Leben miteinander und sie macht unsere Kinder weltoffen.

Unser echter Norden ist auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil in keinem anderen Bundesland so viele Regional- und Minderheitensprachen heimisch sind wie in Schleswig-Holstein. Plattdeutsch, Dänisch, Friesisch und Romanes bieten eine Sprachenvielfalt, die uns stolz macht und das Leben bei uns in vielerlei Hinsicht bereichert.

Gleichzeitig ist es aber auch unsere politische Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass diese Sprachen weiter gelebt werden und der Spracherwerb auch außerhalb der Familien angeboten wird. Es bedarf einer aktiven Sprachpolitik, um das zu gewährleisten.

Deshalb danken wir der Landesregierung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kulturministeriums nicht nur für die Erstellung des 3. Sprachencharta- Berichtes, sondern wir danken Ihnen und besonders auch der Minderheitenbeauftragten Renate Schnack vor allem für das Engagement für den Erhalt unserer Regional- und Minderheitensprachen. Der echte Norden zeigt auch in diesem Bereich wieder klare Haltung. Und man braucht eine entsprechende Haltung, wenn man eine aktive Sprachenpolitik betreiben will.

Mit der Vorlage des Handlungsplans Sprache, der ebenfalls die Handschrift von Renate Schnack trägt, wurde deutlich gemacht, dass wir genau das betreiben wollen: Eine aktive Sprachenpolitik. Um Englisch, Chinesisch und Deutsch müssen wir uns keine Sorgen machen. Gefährdet sind die Sprachen, die nur von einer relativ kleinen Gruppe gesprochen werden. Wenn z.B. im Friesischen 3 von den 9 Sprachformen nur von ca. 150 Menschen gesprochen werden, dann sind diese Sprachformen vom Aussterben bedroht. Die friesische Kultur und den Fortbestand der Sprache fördert die Küstenkoalition deshalb finanziell und vertraglich. Doppelsprachige Verkehrsschilder machen auf die Besonderheit der Region aufmerksam.

Eine aktive Sprachenpolitik halten einige Menschen für Luxus und für überflüssig. „Steckt das Geld lieber in Mathematikstunden“, wurde zwar eher hinter vorgehaltener Hand geflüstert, aber es ist genau diese Denke, die Sprachen auf der Welt täglich verschwinden lässt. Man muss sich schon aktiv darum kümmern, dass Möglichkeiten zum Spracherwerb angeboten werden.

Politisches Handeln ist erforderlich. Und wir haben richtig viel getan. Nachdem wir die Kürzungen der Vorgängerregierung im dänischen Schul- und Kulturbereich wieder auf sichere Beine gestellt haben, haben wir z. B. das Artikelgesetz zur Umsetzung des Verfassungsauftrages zur Stärkung der autochthonen Minderheiten im April auf den Weg gebracht. Das ist ein weiterer Meilenstein zur Förderung und damit Sicherung unserer wertvollen Regional- und Minderheitensprachen. Das Gesetz sichert u.a. den Sprachgebrauch im Umgang mit Behörden; so kann Dänisch, Friesisch und Plattdeutsch zukünftig in unseren Behörden benutzt werden. Das Gesetz erweitert auch das Anforderungsprofil der Personalentwicklung des Landes und es bietet mehr Möglichkeiten für den Spracherwerb im Kitabereich.

An 29 Modellschulen, die Bewerbungszahl war viel höher, wird seit letztem Jahr Plattdeutsch in einem aufbauenden System unterrichtet. Dafür gibt es speziell erstellte Unterrichtsmaterialen und zusätzliche Lehrerstellen. Auch wenn es z. Zt. Diskussionen um die Förderung des Instituts für Niederdeutsche Sprache in Bremen durch die 4 nördlichen Bundesländer gibt, wollen und werden wir das Plattdeutsche weiter fördern.

Romanes wird ausschließlich mündlich in den Familien der Sinti und Roma übermittelt, eine Verschriftlichung der Sprache ist von der Sprachgruppe nicht gewünscht. Wir fördern die Kinder deshalb durch besonders ausgebildete Mentorinnen und Mentoren beim Schulbesuch. Auch damit erfüllen wir die Anforderungen der Sprachencharta.

Sehr wichtig ist der regelmäßige Austausch mit den jeweiligen Sprechergruppen. Unsere Minderheitengremien und der Beirat Niederdeutsch des Landtages bieten dafür eine gute Plattform. Ich danke allen anwesenden und nicht anwesenden Vertretern der jeweiligen Sprachgruppe für den regelmäßigen Austausch, der von gegenseitigem Vertrauen, Offenheit, Transparenz und Toleranz geprägt ist.

Ich freue mich auch über das Lob an unser Land aus dem Europarat und Sachverständigenrat, also den Experten auf europäischer Ebene, die den Vergleich mit anderen europäischen Ländern regelmäßig ziehen und eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen seit dem letzten Bericht sehen.

Fünf Minuten reichen nicht aus, um die vielen Erfolge der letzten 4 Jahre gebührend darzustellen. Deshalb und frei nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ bitten wir deshalb um Überweisung in den Europaausschuss und Bildungsausschuss.

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