Anzahl der Hospizbetten dem Bedarf anpassen!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 28, Mehr stationäre Plätze und eine umfassendere finanzielle Unterstützung für ehrenamtlich Tätige im Hospiz- und Palliativwesen (Drs. 18/4240)

Am 7. Januar hat auf unsere Anregung hin ein Runder Tisch zur Hospiz – und Palliativversorgung in diesem Saal stattgefunden. Viele Gäste aus der Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit haben den Weg gefunden und die Möglichkeit des Austausches und der Vernetzung genutzt. Für uns anwesende Mitglieder des Sozialausschusses war der Abend genauso lehrreich wie informativ. Ich danke allen Beteiligten, der Verwaltung und dem Sozialausschussvorsitzenden Peter Eichstädt für die Durchführung der Veranstaltung, von der ich sicher bin, dass sie eine verstetigte Fortsetzung erfährt. Jedenfalls wäre das der Wunsch der SPD.

Wenn sich das Leben zu Ende neigt, wünschen sich wohl die meisten Menschen, dass sie nicht alleine sind, dass sie sich geborgen und sicher fühlen können, respektvoll angenommen werden in Stärke und Schwäche, in Angst und Zuversicht und dass ihre individuellen Wünsche, Persönlichkeit, Herkunft und Weltanschauung angemessen Berücksichtigung finden. Und dass sie ohne Schmerzen sind.

Das Sterben gehört selbstverständlich zum Leben, und doch sind es meist die schwersten Stunden, Tage, sogar Wochen für den Sterbenden selber, aber auch für Angehörige. Zu einem Zeitpunkt, wo das Leben nur noch eine Richtung nimmt, bedarf es Rahmenbedingungen, die auf die Wünsche und Bedürfnisse des Sterbenden eingehen und ermöglichen können:

– die gewünschte Nähe von Angehörigen, Freunden und anderer zugewandter Begleitung,

– einen respekt- und würdevollen Umgang

– eine professionelle pflegerische und medizinische Betreuung, die Schmerzen und andere Symptome zu lindern weiß.

Dass dieser Wunsch vieler überhaupt umgesetzt werden kann, verdanken wir den Hospizdiensten, den Palliativ-Care-Teams, den stationären Hospizen und den Palliativstationen, die auf vielfältige und wunderbare Weise sterbende Menschen und ihre Angehörigen würdevoll begleiten. Ich bedanke mich ganz herzlich im Namen der SPD-Fraktion bei den vielen Hauptamtlichen und noch sehr viel mehr ehrenamtlich tätigen Menschen in diesem Bereich. Viele Menschen haben Scheu und Angst, sich überhaupt mit Tod und Sterben auseinander zu setzen. Umso größer ist mein persönlicher Respekt vor diesem fachlich hohen und gleichzeitig zutiefst menschlichen Engagement.

Diese Tätigkeiten werden allerdings durch einen hohen Bürokratie- und Koordinierungsaufwand belastet. Eine langjährige Forderung des Hospizverbandes ist deshalb auch die Einrichtung einer Koordinierungsstelle auf Landesebene. Dem wollen wir gerne nachkommen. So werden Hospizdienste und die Arbeit der Trauerbegleitung, wie z.B. der Verein der verwaisten Eltern, organisatorisch entlastet. Es ist mehr Raum, sich den Menschen zu widmen, die die Unterstützung brauchen.

Durch das neue Bundesgesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland sind schon einige Forderungen und Wünsche der Vertreterinnen und Vertreter der Hospizarbeit in SH erfüllt. Das Gesetz bietet vielfältige Ansätze für eine bessere Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen im ambulanten Bereich und in Pflegeeinrichtungen. Die Einrichtungen sind z.B. aufgefordert, rechtzeitig über die Möglichkeiten der ergänzenden Angebote durch die ambulanten Hospiz- und Palliativ-Care-Teams zu informieren.

Eine enge Zusammenarbeit ist natürlich sehr segensreich, weil oft im stressigen Alltag und bei Minimalbesetzung im stationären Bereich die Zeit für eine umsorgende Begleitung in der letzten Lebensphase gar nicht da ist. Und die Grundhaltung der Hospizbewegung ist, dass kein Mensch alleine sterben muss. Auch hat sich die Finanzierung verbessert, so dass jetzt 95% der Kosten übernommen werden, das schafft etwas mehr Planungssicherheit. 5% werden weiter über Spenden finanziert.

Trotzdem bleibt noch vieles zu tun. Mir ist die wohnortnahe Versorgung mit Hospizbetten ein großes Anliegen. Nicht immer ist das Sterben zu Hause möglich oder gewünscht. Unsere Hospize bieten da eine umsorgende Alternative. Wenn ein Familienangehöriger im Sterben liegt, ist das für alle um ihn herum eine belastende Situation, wenn Kinder betroffen sind, ist Kummer und Schmerz nur schwer zu ertragen. Eine zusätzliche räumliche Distanz sorgt nur für eine weitere Belastung.

Z. Zt. haben wir für unsere 2,8 Millionen Einwohner in SH 66 Betten in 6 stationären Hospizen im Land, in denen eine wundervolle Arbeit geleistet wird. Laut dem Deutschen Hospiz – und Palliativverband beträgt der Bedarf allerdings 50 stationäre Betten pro 1 Million Einwohner. Demnach haben wir eine Lücke, ganz besonders in Anbetracht der demografischen Entwicklung.

Deshalb bitten wir die Landesregierung, den tatsächlichen Bedarf, auch für zusätzliche Angebote für Kinder, zu ermitteln und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, die Zahl der Hospizbetten entsprechend zu erhöhen. Dabei muss besonders der ländliche Raum betrachtet werden, denn niemand sollte alleine sterben müssen. Unser Anliegen ist es, den Hospiz- und Palliativbereich weiter zu stärken.

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