Gute Pflege ist eine Frage der politischen Haltung

TOP 20: Gute Pflege braucht ausreichend Personal (Drs-Nr. 19/148)

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

Ein Aktionstag „Händedesinfektion“  der Gewerkschaft ver.di am 12.09. machte deutlich, was Pflegekräfte in jeder Schicht erleben: Zu wenig Zeit für fachgerechte Pflege.

Eine fachgerechte Pflege fängt bei der Händedesinfektion an, empfohlen werden 30 Sekunden vor und nach jedem Patientenkontakt.

Je mehr Patienten, desto mehr Zeit benötige ich also für die Händedesinfektion.  Das praktische Beispiel verdeutlicht, warum die Pflegekräfte so frustriert sind. Die Schere zwischen Theorie und Praxis klafft immer mehr auseinander.

Unser reiches Deutschland leistet sich europaweit den letzten Platz, wenn es um die Patientenversorgung geht. Hierzulande versorgt eine Pflegefachkraft in der Klinik im Durchschnitt 13 Patienten. Und in Norwegen sind es 5 Patienten.

Gleichzeitig wissen wir von Studien  z.B. der  RN4 Cast  Studie,  dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Anzahl und Qualifikation der Pflegefachpersonen und Sicherheit der Patienten gibt. Je mehr Patienten eine Pflegefachperson zu betreuen hat, desto  höher das Komplikation – und  Sterberisiko

Auch die Hans Böckler Stiftung ist zu dieser Bewertung gekommen.

Im Pflegedienst der Krankenhäuser wurden bundesweit in den Jahren1996 bis 2007 zehntausende Stellen abgebaut Gleichzeitig aber nahm der Anteil pflegeintensiver Patienten zu.

Leistungszuwachs auf der einen und Stellenabbau auf der anderen Seite passen irgendwie nicht gut zusammen, erst recht nicht, wenn es um die Versorgung von alten und kranken Menschen geht. Das Ergebnis ist bekannt: Chronische Arbeitsüberlastung, Stress, Krankheit,  Frust über das Nichteinhaltenkönnen  fachlicher Vorgaben  und der ewige Zeitmangel für die menschenzugewandte Pflege. Viele Fachkräfte reduzieren ihre Arbeitszeit. Der Anteil der Teilzeitkräfte im Krankenhausbereich steigt, Sie wechseln in andere Bereiche, gehen in ein anderes Land oder verlassen sogar ganz den Beruf. Viel zu oft und viel zu früh.

Einer Umfrage der BKK zufolge hatten (38,5 Prozent) der befragten Altenpflegerinnen und Altenpfleger  Zweifel oder hielten es gar für unwahrscheinlich, ihre Arbeit auch in den nächsten zwei Jahren ausüben zu können. In der Krankenpflege war sich jeder vierte Befragte nicht sicher.

Also nicht nur, dass wir im Jahr 2020 alleine in Schleswig – Holstein zusätzlich ca. 10.000 Pflegefachkräfte benötigen, wir müssen auch die Lücken schließen, die in den letzten Jahren gerissen worden sind und die aktuell aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen entstehen.

Im UKSH sind aktuell 150  VK Stellen nicht besetzt. In anderen Klinken sieht es nicht besser aus. Stationen müssen geschlossen,  Operationen abgesagt, Behandlungen ausgesetzt werden. Die Pflege rennt wie in einem Hamsterrad und wenn wir es nicht stoppen, droht der pflegerischen Versorgung ein Kollaps. Deshalb müssen wir jetzt endlich handeln. Weg von Sonntagsreden, wohlgemeinten mehr oder weniger verständnisvollen Grußworten hin zu politischer Verantwortung.

So begrüßenswert Betriebs-Kitas, Gesundheitsförderprogramme, Zusatzleistungen und mehr Gehalt usw. auch sind, sie verdienen alle mehr, als sie bekommen.

Eine wirkliche Wertschätzung erfahren Pflegekräfte nur dann, wenn Sie ihren Beruf entsprechend ihrer Berufsethik und Ausbildung ausüben können.

Und das geht nur mit mehr Personal!

Da Pflege unter einem enormen wirtschaftlichen Druck steht, brauchen wir gesetzliche Vorgaben. Anders scheint es ja nicht zu gehen. Eine vereinbarte Mindestbesetzung in einigen Klinikbereichen reicht nicht aus, weil sie keine Rücksicht auf die wirklichen Bedarfe nimmt. Aber mehr war mit der CDU auf Bundeseben leider nicht zu machen.

Wir brauchen dringend eine verbindliche Personalbemessung.

Ein Schlüssel, der  den individuellen  Anforderungen der jeweiligen Krankheitsbilder fachlich gerecht wird. Es bedarf auf einer internistischen Intensivstation mehr und anders qualifiziertes Personal als auf einer gynäkologischen Reha Station. Natürlich kenne ich Argumente der ablehnenden Gruppe: „Wer soll das bezahlen und der Markt ist doch jetzt schon leergefegt.“

Anders herum wird ein Schuh draus: Wenn die Rahmenbedingungen wieder stimmen, ein Dienstplan wieder verlässlich ist, genügend Personal in den Schichten da ist, um den beruflichen Ansprüchen sowie der Würde und Sicherheit der Patienten im Krankenhaus und der Bewohner in den Pflegeeinrichtungen gewährleistet werden kann, dann kommen und bleiben die Pflegekräfte auch wieder in diesen eigentlich wunderbaren Beruf.

Und stellt sich die Frage der Kosten der Versorgung unser Älteren und Kranken wirklich in einem der reichsten Länder der Welt?

Die Würde des Menschen ist unantastbar.  Und das müssen wir organisieren.

Auf dem ersten Blick große Einigkeit bei der Frage Pflege. Ein „Alternativantrag“ der Koalition liegt uns vor. Ein Alternativantrag der inhaltlich keine Alternative darstellt, sondern nur andere Worte findet. Aber Achtung! Hier unterschreiben   CDU und FDP  etwas, was sie bislang konsequent abgelehnt haben. und auch nicht Teil ihres Wahlprogrammes ist. Es ist nicht wichtig, was wir heute sagen, sondern was wir ab Montag bereit sind zu machen! Und daran können sie uns messen.

Oder um es mit den klaren Worten  von Martin Schulz zu sagen  Mehr Personal, bessere Bezahlung, mehr Pflegestellen! So geht das mit der SPD!

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