Wir können stolz sein auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt in unserem Land

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TOP 11 + 42: Gesetz über die Errichtung einer Friesenstiftung mit der Ausführung des Ersten Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in Deutschland und der Sprachenchartabericht 2019 (Drs. 19/1682, 19/1683)

Es gilt das gesprochene Wort!

„Seit 1995 gibt es die Pläne zur Gründung einer Friesenstiftung. In den Jahren 2014 bis 2016 wurden sie haushälterisch von der Küstenkoalition und Ministerpräsident Albig konkretisiert. Die SPD freut sich, dass die jetzige Landesregierung sich in der Lage sieht, diesen Weg konsequent fortzuführen. „Zweck der Stiftung ist die Förderung von Kunst und Kultur, die Pflege der Sprache, die Förderung von Volksbildung und Forschung, die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde, die Förderung des traditionellen Brauchtums jeweils in Bezug auf die friesische Volksgruppe in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus ist die Förderung der interfriesischen Zusammenarbeit ausdrücklicher Stiftungszweck“ heißt es im Gesetzentwurf. All das wird mit großer Leidenschaft vom Friesischen Rat mit seinen Vereinen und Gruppen tagtäglich gelebt. Die Finanzierung ist zukünftig gesichert. Merkwürdig bloß, dass die Friesen ihr Geld nicht selber verwalten dürfen. Stattdessen wird im Ministerium eigens dafür eine Stelle geschaffen. Die Mitglieder der friesischen Volkgruppe müssen also weiterhin alles einzeln beantragen. Der Sitz der Stiftung ist Kiel und nicht Nordfriesland, mit der Begründung, dass dieser an den Verwaltungssitz gekoppelt ist. Ich behaupte mal, dass es dafür auch andere Beispiele gibt. Ich freue mich trotzdem, dass diese langjährige Idee jetzt umgesetzt wird und gratuliere der friesischen Volksgruppe zu einem Stück mehr Sicherheit.

Wenn wir den Sprachenchartabericht lesen, fällt erneut auf, in welchem kulturell reichen Land wir leben. Denn wir sind das einzige Bundesland, das vier Regional- und Minderheitensprachen beheimatet: Niederdeutsch, Dänisch, Friesisch und Romanes. Dieser kulturelle und sprachliche Reichtum macht uns vielfältig und einzigartig. Darauf sind wir stolz. Es ist aber auch dauerhafte und wiederkehrende Verpflichtung, denn Sprachen kann man nicht ins Museum stellen, um sie zu erhalten. Sprachen muss man sprechen und hören, damit sie erhalten werden. Sie archivieren unsere Geschichte. Und besonders die Regional – und Minderheitensprachen haben Geschichten zu erzählen, die die Mehrheitsbevölkerung und die Minderheiten verbindet. Genau das ist auch Ziel der Europäischen Sprachencharta, die 1998 von Deutschland ratifiziert wurde und die seit dem 1. Januar 1999 in Deutschland in Kraft ist. Eine kluge Entscheidung, wie ich finde. Für die Umsetzung der Charta bedarf es klarer Handlungsziele. In der Küstenkoalition haben wir im Handlungsplan Sprache, den die ehemalige Minderheitenbeauftragte Renate Schnack federführend entwickelt hat, diese Ziele klar definiert und einen Meilenstein gesetzt. Und auch da freuen wir uns, dass die Landesregierung diese Pläne weiterverfolgt, auch wenn ich nicht erkennen kann, dass diese Landesregierung hier großartige eigene Akzente setzt. Ich möchte die 195 Seiten des Chartaberichtes jetzt nicht einzeln bewerten, aber der Bericht erkennt auch Mängel. So heißt es im Bericht: „Die größten Probleme bereitet in allen Minderheiten- und Regionalsprachen weiterhin die Umsetzung der Verpflichtungen aus den Bereichen Bildung und Medien. Ich möchte Sie gerne mitnehmen in einen Ausflug nach Südtirol, wohin der Europaausschuss vom 02.-06.September eine Informationsreise unternommen hat. Dort haben wir gelernt, dass es auch anders gehen kann. Alle 10 Jahre gibt es eine Volkszählung anhand derer erkennbar wird, wie viele Menschen welcher der drei Sprachgruppen Deutsch, Italienisch oder Ladinisch angehören. Je nach Proporz werden öffentliche Arbeitsplätze z.B. in Verwaltungen und in der Gesundheitsversorgung vergeben. Im öffentlichen Fernsehen und Radio gibt es für jede der 3 Sprachgruppen eine gleichberechtigte Abteilung. Der Ladinischen Volksgruppe gehören nur ca. 15000 Menschen an und trotzdem haben sie zur besten Sendezeit um 19.55 Uhr, nämlich kurz vor den deutschen Hauptnachrichten, ihre Nachrichten auf Ladinisch aus dem Hauptwohngebiet in den Dolomiten. Selbstverständlich sind Straßenschilder wie Menükarten in dem Gebiet 3-sprachig. Und die Ladiner haben eine App entwickelt. Denn auch sie beheimaten verschiedene Dialekte, je nachdem in welchem Tal man wohnt. Wörter werden in der App übersetzt und im Lautton angegebenen, so dass man es gleichzeitig lesen aber auch hören kann. Für die Friesen sicherlich nachahmenswert. Es war wirklich faszinierend und gehört sicherlich als Best Practice Beispiel auf die nächste FUEN Tagung. Es waren gute Eindrücke, die wir sammeln konnten und ich danke der Landtagsverwaltung und dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Baasch für die Vorbereitung und Jan Diedrichsen für die sehr kompetente Begleitung.“

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