Selbstbestimmtes Altern aktiv fördern

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­­TOP 26: Selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen – „Präventiven Hausbesuch“ für Seniorinnen und Senioren in Schleswig-Holstein auf den Weg bringen (Drs. 19/2053, 19/2170)

Es gilt das gesprochene Wort!

„Unsere Seniorinnen und Senioren sind alt genug, um selber zu bestimmen, wo und wie sie leben wollen. Sie dabei zu unterstützen, muss unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Fakt ist, dass die meisten älteren Menschen so lange wie möglich unabhängig, selbstbestimmt und aktiv in ihrem Zuhause bleiben möchten. Wie können wir sie also bestmöglich in ihrem Sinne unterstützen? Der präventive Hausbesuch ist dafür als ein freiwilliges Angebot für Seniorinnen und Senioren ohne Pflegegrad ein sehr gutes Instrument. Die Beratung findet durch geschultes Personal niedrigschwellig zuhause mit oder ohne Angehörige statt. Es geht dabei u.a. um Wohnraumanpassung, um die Versorgung mit Essen und Medizin, es geht um Begleitung, um gesellschaftliche Teilhabe, um Gesundheitserhaltung und um Sicherheit. Es geht darum Risiken im Alltag  zu verringern, das eigene Gesundheitsbewusstsein zu schärfen, Einsamkeit zu verhindern und Pflegebedürftigkeit durch die eigenen Stärken hinauszuzögern. Denn wer weiß denn schon, welche Angebote es wo gibt? Einige Beispiele: Essen auf Rädern ist eine wirklich gute Sache, da ist das Essen gesichert.  Aber noch besser ist auf Rädern zum Essen. Aber wo gibt es das? Die Beratung kann lokale gemeinschaftliche Angebote aufzeigen, Besuchsdienste anbieten, Begleitung organisieren. Es trägt zur Sicherung von gesellschaftlicher Teilhabe bei und wirkt so gegen Einsamkeit, unter der sehr viele Menschen im Alter leiden.

Immer wieder kommt es bei älteren Menschen in ihren Wohnungen zu Unfällen. Der Teppich, der schon sehr lange dort liegt wird plötzlich genauso wie die Türschwellen zur Stolperfalle. Die Dusche hat keinen Sitz und Griff, das Ausrutschen und Fallen, die typische Oberschenkelhalsfraktur ist vorprogrammiert. Die Beratung hilft, eine Wohnraumanpassung zu organisieren und zeigt Möglichkeiten zur Finanzierung auf. Der präventive Hausbesuch soll natürlich nicht den mobilen Einsatz der Pflegestützpunkte ersetzen. Es geht beim präventiven Hausbesuch genau darum, das Thema Pflege soweit wie möglich hinauszuzögern. Viele Seniorinnen und Senioren sind auch im Alter von 75 Jahren topfit. Und immer mehr von Ihnen werden immer älter, wie sämtliche demographischen Kurven es zeigen. Wenn es einem gut geht, ist die Bereitschaft für ein Gespräch zum Thema Pflege sehr gering. Damit beschäftigt man sich eigentlich erst dann, wenn es soweit ist. Wenn es aber um individuelle Sicherheit, Gesundheitserhaltung, um Mobilität, Teilhabe, um Selbständigkeit geht, dann ist die Bereitschaft hoch. Das zeigen auch die Erkenntnisse aus Dänemark, wo der präventive Hausbesuch seit Jahrzehnten eine kommunale Aufgabe ist und sehr gerne angenommen wird. Das Angebot  wird im Gegensatz zu unseren MDK besuchen auch nicht als Kontrolle empfunden, sondern als Serviceleistung angenommen.

Seit 20 Jahren laufen in verschiedenen Bundesländern Modellprojekte, die wissenschaftlich begleitet werden. So hat die Stadt Flensburg schon  früh  im Rahmen eines Interreg– Projektes gemeinsam mit der Sydanskuniversität Odense und der Europauniversität Flensburg  angelehnt  am dänischen Modell ein Konzept für die Hausbesuche entwickelt. Auch die Stadt Lübeck bietet gemeinsam mit der Caritas ein entsprechendes Angebot an. Die Gemeindeschwester Plus in Rheinland Pfalz und das Projekt PräSenZ (Prävention für Senioren zuhause)  in Baden Württemberg sind weitere gute Beispiele.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der präventive Hausbesuch gut geeignet ist, ältere Menschen frühzeitig zu erreichen, sie zu sensibilisieren, sie zu befähigen und sie unterstützen. Auch damit sie sich mit dem eigenen Risiko einer möglichen Pflegebedürftigkeit beschäftigen. Dann ist die Bereitschaft und vor allem die Hemmung Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch nicht mehr so hoch. Das ist der Grund warum die Koalition in Berlin sich auf dieses Angebot verständigt hat. Aber warum so lange warten? Unser Sozialleistungssystem setzt sehr auf die Selbsthilfe der Menschen. Die Leistungen greifen erst, wenn der eigentliche Hilfebedarf besteht. Dass wir uns dann auf die Hilfe verlassen können, zeichnet unseren Sozialstaat aus. Im Jahre 2030 werden 21% der deutschen Bevölkerung 60 Jahre und älter sein.“

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:

http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

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