Für Selbstbestimmung und Menschenwürde auch in der letzten Lebensphase

LANDTAGSREDE – 29. Oktober 2020 – Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 59: Palliativ- und Hospizsituation in Schleswig-Holstein (Drs. 19/2015, 19/2308)

„Ich bedanke mich im Namen der SPD Fraktion für den vorgelegten Bericht. Nicht alleine sein, sich geborgen und sicher fühlen, respektvoll angenommen in Stärke und Schwäche, in Angst und Zuversicht unter Berücksichtigung ihrer individuellen Wünsche, Persönlichkeit, Herkunft und Weltanschauung und ohne Schmerzen. Das wünschen sich wohl die meisten Menschen für ihr Lebensende – und die meisten Menschen wünschen sich, dass sie in ihrer vertrauten Umgebung sterben können. Das wird ihnen ermöglicht durch den fachlich hochqualifizierten und zutiefst menschlichen Einsatz der derzeit 55 ambulanten Hospizdienste im Land, die neben dem so wichtigen Ehrenamt zunehmend durch Palliativ Care erfolgt. Die Versorgung der letzten Lebensphase erfolgt durch interdisziplinäre Teams, in denen Ärzte, Pflegefachpersonen, Psychologen, Sozialarbeiter, Seelsorger, Pflegedienste und Ehrenamt den Wünschen der Menschen gerecht werden. Der Einsatz der regional verteilten 12 Teams der Spezialisierten ambulanten palliativmedizinischen Versorgung (SAPV) lindert individuelle Symptome und Leiden und sichert  Selbstbestimmung und Menschenwürde auch in der letzten Lebensphase. Nicht immer ist der letzte Weg zu Hause möglich oder auch nicht gewünscht. Wir haben zurzeit 83 stationäre Hospizbetten, 48 Plätze kommen demnächst dazu und 21 befinden sich in der Planung. Hinzukommen 115 Palliativbetten. Damit erfüllen wir der Empfehlung des deutschen Hospiz- und Palliativ Verbandes mit 40 – 50 Hospizplätzen pro 1 Million Einwohner.

Grundlage dafür ist der Beschluss der Küstenkoalition, den Ausbau der stationären Hospizplätze bedarfsgerecht und wohnortnah mit der Bereitstellung von 500 000€ jährlich voran zutreiben. Wir freuen uns sehr, dass die jetzige Regierung diesen Weg konsequent weitergeht. Das gilt auch für die Unterstützung der Landes – Koordinierungsstelle Hospiz und Palliativarbeit. Die Einrichtung hat sich mit dem hochmotivierten Team sehr bewährt. Die organisierte Unterstützung, Beratung  und Koordinierung  wird gut angenommen, denn sie erleichtert die Arbeit vor Ort sehr. Der Umzug in größere Räumlichkeiten macht die Nachfrage deutlich. Als Symbol, dass der Tod zum Leben gehört, befindet sich die neue Geschäftsstelle in freundlichen hellen Räumen mitten in der Innenstadt Kiel. Während der ersten Monate der Pandemie war die gewünschte Nähe oft nicht möglich oder nur sehr begrenzt. Getreu dem Motto „Niemand soll alleine sterben“ hat der Hospiz- und Palliativverband in Zusammenarbeit mit vielen Spendern den Einrichtungen 300 Tablets zur Verfügung gestellt, so dass eine visuelle Kontaktaufnahme unter den Zugehörigen, die nicht in die Einrichtungen konnten, möglich war. Dafür wurden sie im September mit einem 2. Platz des Anerkennungs- und Förderpreises der deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet. Herzlichen Dank an Claudia Ohlsen und ihrem Team und herzlichen Glückwunsch für ein hoch aktuelles Projekt.

Auch wenn wir im Land dank des hohen fachlichen und ehrenamtlichen Engagements vieler Menschen ein tolles Angebot der hospizlichen Versorgung haben, bleiben noch Aufgaben, wie z.B. das mangelnde Angebot verschiedener Zusatz- und Fachausbildungen. Mein Wunsch wäre die zusätzliche Etablierung von noch Palliativkräften in stationären Pflegeeinrichtungen. Auch für die Betreuung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Menschen aus anderen Kulturen und in prekären Lebenslagen braucht es noch individuelle Angebote. Nicht alleine sterben – Schmerzlich mussten Menschen besonders während der ersten Phase der Pandemie erleben, was das bedeutet. Wir müssen alles dafür tun, dass sich das jetzt nicht wiederholt und wir dürfen die Einrichtungen auch nicht alleine lassen. Ein nicht nachholbarer Moment. Keine tröstende Hand, kein letztes Wort. Dieser bleibende Gedanke ist für die Familie und Freunde eine quälende Erfahrung. An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der SPD Fraktion ganz herzlich bei allen Mitarbeitenden, Pflegenden, Ärzte, Fördervereine und Ehrenamtlichen bedanken, dass sie auch in dieser ganz besonderen herausfordernden Zeit immer an der Seite der Menschen in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden sind und ihnen alles möglich machen, was möglich zu machen ist. Ihre psychische Belastung im ständigen Umgang mit Tod und Sterben ist schon in normalen Zeiten enorm und sie ist jetzt noch sehr viel größer geworden. Wir danken ihnen herzlich für diese unverzichtbare Arbeit. Ich bitte darum, dass der Bericht in den Sozialausschuss für die weitere Beratung überwiesen wird.“

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:

http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

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