Wir sollten alles dafür tun, die Schleiregion als wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft zu erhalten

Bild: Pixabay

LANDTAGSREDE – 23. Februar 2022

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 16: Bericht zum Projekt ‚Modellregion Schlei‘ (Drs. 19/3586)

„Der Schlei geht es nicht gut. Alles, was helfen kann, die Wasserqualität zu verbessern, ist deshalb richtig. Gerne haben wir das Projekt „Modellregion Schlei“ unterstützt. Die beiden Mitarbeitenden Frau Erbe und Herr Böldt, deren Stellen vom Land und den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde finanziert werden und beim Naturpark Schlei angesiedelt sind, leisten hervorragendes und wir danken ihnen, dem Fachbereichsleiter Bau und Umwelt beim Kreis Herrn Roos und allen Akteuren für ein großes Engagement zum Wohle der Schlei. Und stehen doch gleichzeitig vor einer Mammut-Aufgabe. Das Projektgebiet erstreckt sich über die Landschaften Angeln und Schwansen, das gesamte Gewässereinzugsgebiet der Schlei mit den vielen Fließgewässern. Das ist eine Fläche von ca. 70.000 Hektar.

Oberstes Ziel des Projektes ist es, die Wasserqualität zu verbessern, die Biodiversität und den biologischen Klimaschutz gemeinsam umzusetzen. Laut Wasserrahmenrichtlinie befindet sich die Schlei in einem ökologisch schlechten Zustand. Phosphor- und Stickstoffmengen haben sich in den letzten Jahren kaum verändert bzw. sie sind gleichgeblieben. Die Verbesserung der Wasserqualität geht nur mit den Akteuren und Akteurinnen aus der Region gemeinsam. Deshalb ist eine gute Netzwerkarbeit von enormer Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass sich an den Maßnahmen bereits 30 landwirtschaftliche Betriebe beteiligen wollen. Dazu gehören z.B., feldmittige Blühstreifen und bunte Gewässerränder, aber natürlich auch die Nichtbewirtschaftung von Ackersenken.

Die Förderung läuft zum Ende des Jahres aus und sollte unbedingt weitergeführt werden – zumal die wissenschaftliche Begleitung des Projektes bis 2024 läuft. Aufgrund der sehr guten Bodenbedingungen ist die Schlei-Region überdurchschnittlich landwirtschaftlich geprägt. Ca. 80% der Flächen sind Ackerflächen, darunter sehr viel Maisanbau. Durch die intensive Bewirtschaftung werden über die verschiedenen Wege große Mengen an überschüssigen Nährstoffen in die Schlei getragen. Viele Jahrzehnte wurden ungebremst Nährstoffe in die Schlei geleitet, nicht nur über landwirtschaftliche Flächen, sondern auch über Kläranlagen und ehemaligen Fabriken. Dadurch hat sich am Boden der Schlei eine riesige Menge Faulschlamm gebildet, der durch Nährstoffrücklösung die Wasserqualität zusätzlich beeinträchtigt. Aber es gibt noch mehr Baustellen in der Schlei. Die Pegel steigen ständig – in wachsendem Maße durch die Auswirkungen des Klimawandels. Hinzu könnte ein drohender Durchbruch in Schleimünde die Situation verschärfen.

An unserer Ostseeküste sind die Kommunen für den Küstenschutz verantwortlich, womit die meisten Kommunen finanziell überfordert sind. Wir müssen der Schlei mehr Raum geben, wenn wir die jetzigen direkten Anwohner und Anwohnerinnen vor dem Wasser schützen wollen.  Das vom „Runden Tisch Schlei“ vorgelegte integrierte Schleiprogramm bietet hierfür viele Handlungsoptionen und ich hätte mir gewünscht, dass daraus mehr in das Modellprojekt geflossen wäre.

Eine weitere Baustelle ist die dringend notwendige Bodensanierung des Wikingecks in Schleswig. Das Verkehrsministerium muss jetzt die vor der Bundestagswahl zugesagte ¾ Förderung einlösen und ich bitte alle, auch besonders die FDP, hier Druck auf den Bundesverkehrsminister zu machen.

Die Möweninsel vor Schleswig ist FFH-Gebiet, ein Kulturdenkmal und für die Stadt bedeutend. Leider erodiert sie zunehmend, was man mit bloßem Auge sehen kann. Ich erwarte, dass die Möweninsel gepflegt und gerettet wird. Das sieht die Landesregierung laut Antwort auf meine kleine Anfrage aus dem September 2020 anders. Sie sieht keinen Handlungsbedarf.  Und auch für die anderen erodierenden Inseln in der Schlei, die Liebesinsel und Reesholm, hält die Landesregierung keine Maßnahmen für nötig. Daher fordere ich, dass die Möweninsel an die Stadt übertragen wird.

Die gesamte Schleiregion ist eine wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft.  Wir sollten alles dafür tun, diese zu erhalten.

Und es gibt noch eine Baustelle Wenn man wie ich auf dem Holm wohnt, dann unterhält man sich regelmäßig mit den Fischern. Und was sie erzählen ist erschütternd. Die Schlei ist leer. Es gibt kaum noch Fisch. Die Süßwasserfische wie z.B. der Stint sind verschwunden.

Jetzt kommen gerade die Heringe rein. Aber mit ihnen kommen die Kormorane. Geschätzte 15-20.000 Kormorane fressen sich in der Schlei satt.  Hinzu kommen im östlichen Teil invasive Quallen, die sich ohne natürliche Feinde stark ausbreiten und den Fischlaich vernichten.

Wenn wir den Charme der Schlei, die Lebensgrundlage für Tier und Mensch und die Vorteile der regionalen Vermarktung stärken wollen, braucht es eine ordentliche Kraftanstrengung. Die kann ich bei dieser Landesregierung leider nicht erkennen.“

 

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:

http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

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